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Der Trendvizsla

 

 

„ Ach ist das ein schöner Hund, der würde mir auch gefallen, was ist denn das für eine Rasse?"

 

 

 

Jeder Vizslabesitzer hat diesen Satz des Öfteren zu Ohren bekommen, doch ist der „schöne" Hund auch wirklich die richtige Rasse?

 

Vor Jahren hätte man nie einen Gedanken daran verschwendet, dass der Vizsla einmal vom Trend  eingeholt wird.

 

Heute müssen viele Vizslas darunter leiden.

 

Durch falsche Haltung und Unverständnis werden sie teilweise schon nach mehreren Monaten abgegeben oder finden im Tierheim ein neues Zuhause.

 

 

 

„Sam", ein Trendvizsla, erzählt von seinem Leidensweg:

„Ich bin Sam, ein Vizslarüde, meine ersten neun Lebensmonate wurden zur Hölle. Mein Heimatland ist Rumänien, dort wurde ich geboren und verbrachte die ersten sieben Wochen. Ich hatte eine schöne Zeit mit meinen Eltern und Geschwistern, es war Sommer und wir waren viel im Freien und erkundeten die Umgebung. Es kam der Tag der Abgabe, eine junge Familie mit zwei Kindern hatten sich für mich entschieden. Sie gaben mir meinen Namen und schlossen mich in ihre Arme. Abwechselnd von Arm zu Arm wurde ich gebettet und fühlte mich wohl. Es folgten schöne Tage mit viel Auslauf und Spiel, doch eines morgens war alles anders. Die Familie stand sehr früh auf und alles war ganz hektisch um mich herum. Es wurden Koffer gepackt und das Auto wurde beladen. Wir traten eine lange, heiße Autofahrt an. Das Ziel war eine Großstadt, das Auto parkte in einer Tiefgarage. Wir fuhren mit dem Aufzug in den siebten Stock, dort wurde eine Türe geöffnet und meine Familie nannte es meine neue Heimat. Es waren kleine Räume mit Teppichboden, ich inspizierte alles ganz genau und legte mich auf das Sofa zum Schlafen.

Es dauerte nicht lange, als mich laute Worte erreichten, ich solle das Sofa verlassen. Vor lauter Schreck ließ ich es dann laufen. Sie packten mich am Kragen und drückten mich lauthals in meinen Urin. Ich verstand zum ersten Mal in meinem Leben die Welt nicht mehr. Was ist nur mit meiner Familie geschehen, plötzlich hat keiner mehr Zeit für mich und alles ist nur „Pfui". Ich wurde den Nachbarn und der Großfamilie als „Urlaubsmitbringsel" vorgestellt. Morgens wurde ich plötzlich alleine zu Hause gelassen, wenn dann die Türe wieder aufging musste ich mich immer in Sicherheit bringen, sie schimpften zur Begrüßung mit mir. Offensichtlich waren sie mit meiner Beschäftigung während ihrer Abwesenheit nicht einverstanden. Doch was sollte ich so alleine den ganzen Morgen tun? Und schließlich war  auch niemand da, der mich zum Geschäftmachen in den Park brachte. Schön war es, wenn die Kinder von der Schule kamen, sie spielten mit mir und nannten mich nie „Pfui".

Samstags ging Herrchen mit mir auf den Hundeplatz. Prägungsspieltage nannten sie es, es waren nur ältere Raudis in der Gruppe. Ich hatte so Angst, sie waren immer so wild und laut und ich wurde immer gepiesackt. Ich bin schon gar nicht gerne aus dem Auto ausgestiegen, aber Herrchen zerrte mich jedes Mal aufs Neue raus.

Ich hatte oft Durst und musste lange warten, bis es was zu trinken gab. Mein Frauchen stellte mir nur manchmal Wasser hin, weil ich beim Trinken so schlappre und alles unter Wasser setzte. Der Durst war schrecklich und oft trank ich dann die ganze Schüssel auf einmal leer und musste anschließend erbrechen.

Drei Mal am Tag wurde ich um den Häuserblock geführt. Schon beim Anleinen freute ich mich immer so sehr und war außer Rand und Band. Frauchen zupfte an der Leine und brüllte mich an, doch das war mir egal, endlich kam ich raus.

Voller Freude zog ich Frauchen durch die Wohnsiedlung, doch wenn ich mein Geschäft erledigt hatte, drehte sie gleich wieder um. Ich habe mich dann sehr beherrscht, mich nicht mehr zu lösen, so waren wir dann länger unterwegs. Mein Geschäft machte ich dann in der Wohnung, schließlich war ich abgehärtet und es gewohnt, dass sie mich am Kragen packten und mich „Pfui" nannten.

In den sechs Monaten  war ich viel alleine, die Kinder hatten auch kein Interesse mehr an mir und ich verbrachte viele, viele Stunden mit Warten. Ich wuchs zu einem kräftigen Vizsla heran, entwickelte immer mehr Kraft und konnte keine fünf Minuten ruhig an einem Platz liegen.

Eines morgens packte Frauchen meinen Futtersack, meine Spielsachen und meinen Korb zusammen. Ich ließ die Sachen nicht mehr aus den Augen, sie hatte irgendetwas mit mir vor.

Dann klingelte es an der Türe und eine Frau starrte mich an. Ich ließ es laufen und bellte sie an, ich wollte nicht, dass sie bemerkt, dass ich Angst hatte. Sie nahm mich dann einfach mit in ihr Auto, dort warteten noch zwei Vizslas, die mich schwanzwedelnd begrüßten.

Es war Winter und es schneite, wir fuhren zwei Stunden auf der Autobahn. Die Frau hielt auf dem Feld an und lies mich aus dem Auto, ich weiß noch heute, wie das alles war. Ich hatte noch nie so viel freies Feld ohne Häuser und Straßen gesehen. Sie ließ mich ohne Leine aussteigen und ich rannte, was ich konnte und quietschte vor Freude dabei.

Inzwischen habe ich zwei andere Vizslas kennengelernt. India und Kelly. Kelly spielte gleich mit mir, ein toller Spielpartner mit Ausdauer und Wendigkeit, ich kam ihr nicht hinterher.

Kellys Frauchen meinte, dass das mein neues Zuhause sein soll, dass India und Kelly bei mir bleiben. Unsere neue Wohnung ist groß und es gibt einen Garten, es steht auch eine Wasserschüssel in der Küche. Das war mein erster Schritt, trinken, trinken, trinken, oft lief ich auch nur so an den Napf, um mich zu vergewissern, ob er noch gefüllt da steht.

Ich wurde schnell stubenrein, mein neues Frauchen ließ mich regelmäßig in den Garten. Da ich mich oft im Spiel vergaß, nahm sie mich auch zwischendurch in den Garten. Es war nun alles ganz anders, als ich es von früher gewohnt war, aber es fing an mir zu gefallen. Ich lernte mit Frauchen zu spielen, ihr Gegenstände, die sie wegwarf, zu bringen. Ich lerne auch meinen Namen. Sam, das bin ich, und ich kann es heute kaum erwarten, dass ich mit meinem Namen gerufen werde.

Was ich in den vergangenen Monaten alles verpasst habe, das weiß ich erst heute. Die größten Sorgen machte ich meinem neuen Frauchen, weil ich das Weite suchte, wenn ich mit etwas konfrontiert wurde, vor dem ich Angst hatte. Ich kannte außer Wohnung, dem Wohnblock und dem Hundeplatz nichts. Ich hatte noch nie andere Tiere gesehen, wedelndes Schilf , Traktoren oder Zäune. Eigentlich kannte ich nichts, alles machte mir Angst und ich lief mit aufgestelltem Kamm, pinkelnd und bellend durch die Gegend. Mein Frauchen nahm sich viel Zeit  und zeigte mir die Welt. India und Kelly waren meine Vorbilder, sie ließen sich nicht von einem Pferd in die Flucht schlagen, und ich konnte  mich gut an ihnen orientieren. Zwei Mal am Tag gehen wir im Rudel laufen und ein Mal darf ich mit Frauchen alleine losziehen. Für Frauchen würde ich alles geben, sie gibt mir die Zeit, die ich brauche um etwas zu erlernen, sie zeigt  mir den Weg , Schritt für Schritt, freut sich über jeden Fortschritt, ist aber auch bereit einen Rückschritt mit mir zu machen.

Heute bin ich soweit, dass ich nicht mehr pinkeln, bellen, weglaufen oder an Frauchen hochspringen muss, wenn ich mich fürchte. Ich bekomme eine Aufgabe und wir arbeiten täglich, so dass ich abends müde in meinem Korb einschlafe. Ich werde auch nicht mehr alleine gelassen und darf Frauchen überall hin begleiten.

Frauchen meint, dass mein Schicksal kein Einzelfall ist, ganz im Gegenteil, es würde in den letzten Jahren immer öfters vorkommen, weil meine Rasse sich zum Trend entwickelt hat. Viele hätten nicht das Glück, noch rechtzeitig vermittelt zu werden und würden einen Schaden fürs Leben davontragen.

Viele Menschen sind sich bei der Anschaffung eines Vizslas nicht im Klaren, dass sie uns ihre gesamte Freizeit widmen müssen.

Frauchen meint, dass wir dem Leser in verschieden Rassebeschreibungen schmackhaft gemacht werden, da wir leichtführig, intelligent und elegant sind. Ausserdem seien wir der ideale Familienhund.

Wir Vizslas sind Hunde mit einem ausgeprägten Jagdtrieb, wir sind sehr bewegungsfreudig und mühsam müde zu bekommen.

Mein Frauchen wusste, worauf sie sich mit mir eingelassen hat, dass ich einen enormen Arbeitswillen habe und von Spazierengehen, Joggen oder Radfahren noch lange nicht müde bin.

Kopf- und Nasenarbeit hingegen strengt mich an und macht mich müde.

Wir Vizslas sind sensibel und lassen uns nicht mit Härte und Lautstärke erziehen.

Mein größter Wunsch ist es, dass sich alle Menschen, die sich einen Vizsla anschaffen möchten, im Vorfeld genau über uns informieren. Lassen sie sich von unserer Schönheit nicht blenden. Wir brauchen eine Lebensaufgabe, wollen unserem Meister dienen, wollen verstanden werden und nicht alleine bleiben.

Wir sind keine Prestigehunde, welche Haus und Hof zieren.

Es würden weniger Vizslas in Not geraten, wenn sich der Mensch genauer über uns informieren würde. 

Auch ich hätte nicht so lange leiden müssen."

Sam

Geschrieben von Tanja Bauer  / 14.07.2004

 

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